- 2. September 2026
Drei Reisen in die verborgene Welt der Insekten
Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Garten wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als faszinierende Welt voller erstaunlicher Geschichten. Am ersten Solothurner Insektentag gingen Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit Tierfilmer und Insektenkenner Bähram Alagheband bei uns rund um die Villa auf drei Entdeckungsreisen – am Nachmittag, in der Dämmerung und bei Nacht. Dabei zeigte sich, wie vielfältig, überraschend und manchmal geradezu spektakulär das Leben der kleinsten Gartenbewohner ist.
Die ersten Sonnenstrahlen nach dem Regen machten den 28. August zu einem besonders guten Zeitpunkt für die Insektenbeobachtung. Viele Insekten waren noch etwas träge, tankten an der Sonne neue Energie und liessen sich dadurch besonders gut entdecken. Gemeinsam mit Bähram Alagheband begaben sich die Besucher des ersten Solothurner Insektentags auf drei unterschiedliche Reisen: am Nachmittag, zum Feierabend und nachts im Licht der UV-Taschenlampen.
Die Jagd des Ameisenlöwen
Bereits am Nachmittag wurde deutlich, wie viel Leben sich direkt vor unserer Haustür verbirgt. Zwischen den Wildpflanzen, im Totholz und unter den über hundertjährigen Bäumen des naturnahen Gartens gab es zahlreiche kleine Bewohner zu entdecken.
Der Ameisenlöwe liess sich vom Regen nicht aus dem Konzept bringen. Seine trichterförmigen Fallen funktionieren nur in lockerem, trockenem Sand – und bereits wenige Stunden nach dem Regenguss hatte er einen neuen Fangtrichter gebaut. Gut getarnt wartet er an dessen Grund auf seine Beute. Gerät eine Ameise am Rand ins Rutschen, schleudert er ihr gezielt Sandkörner entgegen, bis sie immer weiter ins Zentrum der Falle gleitet.
Der Garten wird zum Korallenriff
Besonders eindrücklich waren Bährams packende Geschichten zu jedem Insekt – etwa zur ungebetenen Grünen Reiswanze und ihrem «Generationenhaus» in einer Tomatenstaude. Gleichzeitig entdeckten die Teilnehmer:innen selbst Spannendes: Zum Beispiel eine Libelle, die sich bereits zur Nachtruhe begeben hatte, eine stattliche Nosferatuspinne sowie auffallend grosse Heuschrecken, die vor einigen Jahren noch selten zu sehen waren und sich durch die Klimaerwärmung immer weiter verbreiten.
Mit Einbruch der Dunkelheit veränderte sich der Garten vollständig. Im Licht der UV-Taschenlampen leuchteten manche Blätter plötzlich intensiv rot, andere Pflanzen und Tiere traten in ungewohnten Farben und Strukturen hervor. Die nächtliche Tour fühlte sich ein wenig an wie Schnorcheln in einem Korallenriff – nur im Trockenen.
Vom Garten in den Seminarraum
Die Villa Loreto bot für diese Entdeckungsreisen den idealen Rahmen. Die Teilnehmenden konnten im naturnahen, von Pro Natura mit drei Schmetterlingen ausgezeichneten Garten selbst auf die Suche gehen und ihre Funde anschliessend aus nächster Nähe betrachten.
Ergänzt wurden die lebenden Entdeckungen durch Insektenpräparate – darunter wertvolle Exemplare aus aufgelösten Schulsammlungen. Zum Abschluss nahm Bähram Alagheband das Publikum in einer multimedialen Bilderschau nochmals mit in die erstaunliche Welt der Insekten. Die eindrücklichen Aufnahmen stammten alle von ihm und er stellte immer wieder einen Bezug zur Region Solothurn her.
Das begeisterte Publikum und die vielen besonderen Begegnungen motivieren uns, den Solothurner Insektentag 2027 weiterzuführen – gemeinsam mit zusätzlichen Partner und in einem noch grösseren Rahmen.
Wir freuen uns bereits jetzt auf die nächste Entdeckungsreise.




